DIE BIBLIOTHEK

St. Paul besitzt keine große Schaubibliothek, wie etwa Admont, Kremsmünster oder Melk. Dennoch aber finden wir hier die bedeutendste klösterliche Büchersammlung Österreichs.
Keine andere Bibliothek unseres Landes ist in der Lage, die Evolution der Schreibkunst vom 5. bis zum 18. Jahrhundert lückenlos zu dokumentieren. St. Paul hat das älteste Buch Österreichs aus dem 5. Jahrhundert and das erste Druckwerk Gutenbergs aus ca. 1450, das eine besondere Kostbarkeit darstellt. Zahlreiche Fragmente sind bedeutende Beispiele des Minnesanges (Hartmann von Aue "Iwein", Wolfram von Eschenbach "Wilehalm", Neidhart von Reuenthal "St. Pauler Neidhartspiel", usw.) Die älteste Darstellung Karls des Großen ziert eine Kapitularien- and Volksrechtsammlung aus dem 9. Jahrhundert. Der berühmte Ramseypsalter aus dem 13. Jahrhundert ist ein schönes Beispiel prachtvoller Buchillustration. Insgesamt sind es ca. 4000 Handschriften und 180.000 Bände, mit denen St. Paul aufwarten kann.
Der heutige Schauraum der Bibliothek ist mit einer Deckenmalerei aus dem Jahre 1683 ausgestattet, die nach dem Vorbild astronomischer Malerei des 16. Jahrhunderts entstanden ist. Dargestellt sind die Tierkreiszeichen, die Jahreszeiten und die Himmelswinde. Die große Bibliothek im Südtrakt konnte infolge großer Kriege des 17. Jahrhunderts nicht mehr vollendet werden.


Die Stiftsbibliothek mit Fresko, aus 1683

   
Ramsey-Psalter, Ostengland, um 1285