"Schatzhaus Kärntens - Benediktinerstift St. Paul"

Öffnungszeiten:

27. Juni bis 26. Oktober 2020

Dienstag – Samstag von 10 – 16 Uhr

Montag, Sonn- und Feiertag geschlossen

ÄNDERUNGEN VORBEHALTEN !

Hinweis: Es gelten die jeweils auf Grund der Corona-Krise von der Bundesregierung erlassenen Bestimmungen wie z.B. Höchstanzahl von Besuchern im Museum, Maskenpflicht und Abstandsregelungen zwischen Personen.


Ausstellung 2020

Lichtgestalt und Schattenwelt

300 Jahre Fürstabt Martin II. Gerbert (1720-1793)


Beeindruckende Persönlichkeiten prägten die Geschichte Europas. Martin Gerbert war eine davon. Als Fürstabt der bedeutenden deutschen Abtei St. Blasien im Schwarzwald, gilt er als Lichtgestalt des 18. Jahrhunderts. Er war nicht nur Theologe, sondern Historiker, Musiker und Diplomat und führte mit viel Geschick ein souveränes Fürstentum. Neben zahlreichen historischen Schriften verfasste er einen Leitfaden zur Regentschaft kleiner Fürstentümer, erließ eine Kleiderordnung für seine Untertanen, gründete eine Sparkasse und ein Krankenhaus sowie eine Sozialkasse zur Versorgung der Armen und eine Brauerei. Mit den Großen seiner Zeit stand er in regem Briefwechsel und genoss allgemeine Anerkennung. Kaiserin Maria Theresia schätzte Gerbert als Berater und die Päpste seine theologische Kompetenz. Zahlreiche Kompositionen zeugen von seiner musikalischen Virtuosität. Er war Visionär! Nach dem Großbrand seines Stiftes, 1768, ließ er dieses nach modernsten Plänen wiederaufbauen und setzte vor allem mit der gewaltigen Kuppelkirche ein Denkmal der Architektur des Klassizismus. Seine bedeutende Kunstsammlung und seine umfassende Bibliothek genossen Weltruhm.

Am Ende seines Lebens war Europa aus den Fugen geraten. Die Revolution in Frankreich, die zunehmende Säkularisation und drohende politische Umbrüche machten auch vor dem Schwarzwald nicht Halt. Das diplomatische Geschick Gerberts schaffte dennoch Stabilität. Erst Jahre nach seinem Tod wurde die Abtei aufgelöst und 1809 zog sein zweiter Nachfolger mit den Mönchen, dem beeindruckenden Klosterschatz und den Gebeinen der ersten Habsburger nach Kärnten, um in St. Paul neu zu beginnen. Heute wird dort der gewaltige Nachlass Gerberts, der zum Großartigsten zählt, was Europa hervorbrachte, verwaltet. Vieles bislang noch Unbekanntes skizziert das Leben eines Mannes, der hineingestellt war zwischen barockem Prunk und dessen Lebensfreude und dem Wanken Europas am Ende dieser Epoche.